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Inhalt:

Die Aufführung der "Mariazeller Messe" von Franz Xaver Widerhofer am 25.10.2026

 

Die Heimkehr der Widerhofer

Sonntag 25.10.2026 10.00
Im Rahmen der Festmesse erklingt die
“Mariazeller-Messe” von Franz Xaver
Widerhofer
Gemischtes Ensemble und Orchester aus dem
Mariazellerland und Fürstenfeld
Leitung: Dr. Franz Friedl, Orgel: Florian Kaier

 

Lesen Sie bitte weiter ("mehr" anklicken) -->
 

Mariazeller Orgel | Foto: Florian Kaier

Die Heimkehr der Widerhofer

Wer Mariazell durchstreift, stößt irgendwann auf den Widerhoferweg. Kaum jemand weiß noch, was sich hinter diesem Namen verbirgt: Drei Generationen einer Familie von Mariazeller Organisten, Regens Chori, Musiklehrern, Komponisten. Einer Familie, die ein erstaunlich aktives Musikleben Mariazells von hoher Qualität verkörpert.

Im musikalischen Gedächtnis Österreichs ist die „Missa cellensis“ - „Mariazeller Messe“ Joseph Haydns - zu Recht - wohlbekannt. Manche kennen vielleicht auch die Geschichte des jungen und mittellosen Haydn, der, ziemlich unerschrocken, bei einem Pontifikalhochamt in der Basilika dem Solisten das Notenblatt entriss und selbst das Solo vom Blatt sang, damit großen Erfolg hatte und zu Mariazell ein so nahes Verhältnis entwickelte, dass er später, im Jahre 1782, ebendiese „Mariazeller Messe“ als letzte seiner großen Messen komponierte. Bei Haydns Soloauftritt in der Basilika saß ein Knabe an der Orgel, der vom Gesang des jungen Haydn restlos begeistert war.

Vermutlich nur eine sehr kleine Zahl von Musikinteressierten weiß, dass es auch eine „Mariazeller Messe“ eines Mariazeller Komponisten, nämlich eines Franz Xaver Widerhofer gibt. Wann genau er sie komponierte ist unbekannt. Eine Abschrift aus dem Jahre 1776 liegt im Benediktinerstift Göttweig auf, wo sie laut Aufzeichnungen fünf Mal aufgeführt wurde. Wann und wie oft sie in Mariazell zur Aufführung gelangte, ist ebenso unbekannt. Übrigens: Der Knabe an der Orgel beim Soloauftritt des jungen Haydn war ebendieser Franz Xaver Widerhofer.

Franz Xaver Widerhoffer (nach damaliger Schreibweise) wurde am 2. Dezember 1742 als zweites Kind des Schulmeisters Johann Georg Widerhoffer in Kammern im Liesingtal geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in Mariazell und wurde vermutlich auch hier zum Organisten ausgebildet. Im Jahre 1773 heiratete er die Mariazeller Bürgerstochter Maria Anna Spreng. Von den 9 Kindern des Paares überlebten fünf Söhne, die alle in angesehenen Berufen tätig wurden. Einer davon, Franz Xaver genannt nach dem Vater, später nach seinem Eintritt in den Benediktinerorden Bruder Honorius, war jener mutige Mönch, der beim großen Brand von Mariazell 1827 die Gnadenstatue aus der Wallfahrtskirche rettete. Auf Sohn Joseph (geboren 1786, Lehrer, Organist, Komponist und Regens Chori in Mariazell) werden wir später zurückkommen.

Vater Franz Xaver komponierte geistliche wie auch weltliche Literatur, in erster Linie für Mariazell, wenngleich seine Werke weit über Mariazell hinaus bekannt waren und zur Aufführung gelangten.
Die „Mariazeller Messe“ des Franz Xaver Widerhofer ist ein Zeugnis ihrer Zeit und unverkennbar in die musikalische Nachbarschaft mit Mozart und Haydn einzuordnen. Die Messe ist ein umfangreiches Werk für großes Orchester, Chor, Solisten und Orgel. Eine Besonderheit stellt die Orgelstimme dar - neben der Begleitung als Basso-continuo Instrument sticht die Orgel regelmäßig mit virtuosen Elementen als Solo-Instrument hervor und umspielt beispielsweise im Kyrie das Hauptthema mit glänzenden Sechzehntel-Passagen. Im Gesamtbild werden die vorwiegend homophon und kontrapunktisch gesetzten Chorstimmen von lyrischen Mittelteilen der Gesangssolisten ergänzt, wie es im Stile der Klassik üblich ist. Mit dieser Aufführung wird ein Schatz der Mariazeller Musikgeschichte neu zum Leben erweckt – eine Messvertonung, die einer frühen Haydn-Messe um nichts nachsteht.

Dass dieses Werk nun nach etwa 300 Jahren am Sonntag, 25. Oktober im Rahmen der hl. Messe in der Basilika Mariazell wieder zur Aufführung gelangen wird, soll der Beginn einer „Heimkehr der Widerhofer“ sein.
Mariazell war schon immer ein Ort großer Ausstrahlungskraft über viele Grenzen hinweg. Hier treten wir den umgekehrten Weg an und bringen ein Stück Mariazell wieder an seinen Ursprungsort.

Jedes System besteht in der Hauptsache aus zwei Komponenten: seinem Zentrum und seiner Peripherie. Diese beiden bedingen einander. Hier findet ein Werk aus der Peripherie wieder zu seinem Entstehungsort und seiner ursprünglichen Bestimmung zurück. Gleichzeitig bringt es ein Stück der „Peripherie“ mit nach Mariazell: So sind die Ausführenden ein Spiegelbild dieser Rückkehr. Neben MariazellerInnen oder Menschen mit Beziehung zu diesem besonderen Ort sind dies vor allem die hier bereits wohlbekannten Musikerinnen und Musiker aus Fürstenfeld. Aus dieser Verschmelzung soll die Mariazeller Messe des Franz Xaver Widerhofer etwa 300 Jahre nach ihrer Entstehung wieder an ihrem Ursprung zur Aufführung kommen.

Die Wiederentdeckung und Pflege der Kompositionen von drei Generationen Widerhofer soll damit aber nicht zu Ende gehen.
Im Jahre 2027 jährt sich zum 200. Mal das Gedächtnis an den großen Brand Mariazells und der Basilika. Hier kommen wieder die beiden bereits eingangs erwähnten Söhne des Franz Xaver Widerhofer ins Spiel: Bruder Honorius und sein Bruder Joseph Widerhofer. Letzterer begann bereits im November 1827, noch ganz im Banne des fürchterlichen Ereignisses, mit der Komposition einer „Brandmesse“, die er Erzherzog Johann widmete. Dieser steirischste aller Habsburger war bereits am Tag nach dem verheerenden Feuer, das Mariazell fast gänzlich vernichtete zur Stelle, um höchstpersönlich zu helfen. Er trug später auch finanziell zum Wiederaufbau der Basilika und der Stadt bei. Und so soll auch die „Brandmesse“ wieder ihre Heimkehr nach Mariazell antreten, im Zusammenspiel mit MariazellerInnen und auswärtigen Mitwirkenden. Geplant ist ihre Aufführung Ende Oktober/Anfang November 2027.

Mit Florian Kaier hat Mariazell wieder einen ausgebildeten Organisten und Kirchenmusiker, der die reiche Tradition der Kirchenmusik in Mariazell nicht nur wiederbelebt, sondern auch mit eigenen Kompositionen - gemeinsam mit MusikerInnen vor Ort und von auswärts - bereichert und weiterführt.

Bitte merken Sie sich vor:
„Mariazeller Messe“ von Franz Xaver Widerhofer, Sonntag, 25. Oktober 2026, 10.00 Uhr, Basilika Mariazell. Leitung des gemischten Ensembles: Franz Friedl, Orgel: Florian Kaier

 

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Pfarrer GR P. Mag. Christoph Pecolt OSB

Telefon: +43 3882 2595

Mobil: +43 676 5679 086

E-Mail: christoph.pecolt@graz-seckau.at

 

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